Musik als Medizin
Neujahrskonzert: Johannes-Brahms-Chor Karlstein überzeugt 550 Gäste mit seinem Wien-Programm
Karlstein-Grosswelzheim. Zu einem vokal-instrumentalen Ereignis geriet das 14. Neujahrskonzert des Karlsteiner Johannes-Brahms-Chores unter Leitung von Petra Weiß-Lorenz, das am Sonntag in der mit 550 Gästen ausverkauften Bayernhalle stattfand.
In der wienerisch aufgestylten Halle erlebte das Publikum das Programm »Wien, Wien, nur
du allein« ohne »Schrammelmusik«, dafür aber mit spritzigen Kompositionen aus der berühmten Strauß-Dynastie.
Verstärkt hatten sich die sieben Sänger und die acht Sängerinnen des Brahms-Chores mit dem Symphonieorchester des Karl-Rehbein-Gymnasiums Hanau, das seit über 30 Jahren unter der Leitung von
Jürgen Weiß steht, dem Ehemann der Chorleiterin, der abwechselnd mit ihr auch für eine zuverlässige Klavierbegleitung sorgte.
Der Chor, dessen weibliche Mitglieder wie gewohnt modische Akzente setzten, trat in diesem Jahr von weiblicher Seite aus in schicken Dirndln auf. Dynamisch prickelnd wie Perlen in einem Sektglas
überzeugte bereits der Auftakt zum Konzert. Mit Antonio Salieris (1750 bis 1825) »Sanctus« und dem a cappella vorgetragenen Kanon »Viel Glück zum neuen Jahr« von Ludwig van Beethoven (1770 bis
1827) mit solistischen »Glück«-Rufen lag der Brahms-Chor ebenso auf der sicheren Seite wie mit dem ganz kurzen Appell »Pack die Gelegenheit« des Wieners Augustin Kubizek(1918 bis 2009), der »Mut
für 2010 machen« soll, wie Moderatorin Petra Weiß erklärte.
Mindestens ebenso unterhaltsam wie der musikalische Teil waren ihre Texte, die genauso wie das Dirigat ganz im Zeichen ihrer Leidenschaft zur Musik lebten. Eine besondere Empfehlung der
Dirigentin, die sich mit weiteren Beispielen durch den Abend zog, galt einem Besuch auf dem Wiener Zentralfriedhof. Das Lieblingsgrab der Chorleiterin ist eindeutig Hugo Wolfs letzte Ruhestätte:
»Da fließt man förmlich hin vor Melancholie!«
Ein spezielles Rezept gegen Lebensmüdigkeit empfahl Joseph Haydn (1732 bis 1809) in seinem Stück »Der Greis«, vom Brahms-Chor homogen und glänzend vorgetragen. Musik als Medizin, wie vom Wiener
Klassiker vorgeschlagen, wirkte sicher auch im Karlsteiner Neujahrskonzert. Insbesondere wenn die 80 jungen Leute der Karl-Rehbein-Schule auf der Bühne zu einem Walzerklassiker wie »Rosen aus dem
Süden« von Johann Strauss Sohn (1825 bis 1899) ansetzten, hüpften Herz und Laune im Dreivierteltakt mit.
Mit ihrer 1993 geborenen Mitschülerin Sylvia Yimeng Hu besitzt das Schul-Orchester eine preisgekrönte Klaviersolistin, mit der es den dritten Satz aus Joseph Haydns Konzert für Klavier und
Orchester D-Dur intonierte. Die Elfklässerin scheint für ein Leben als Pianistin wie geschaffen. Mit großer Ausdruckskraft und Leichtigkeit spielte sie eine selbstbewusste Interpretation und
gönnte den Zuhörern noch einen solistischen Beethoven-Satz als Zugabe.
Krachen ließ es das Orchester mit den Schnell-Polkas »Unter Donner und Blitz« und »Leichtes Blut«, die jeweils mit musikalischem Salz und Pfeffer gewürzt waren. Da hatte es der 15-köpfige Chor
fast ein bisschen schwer, bei diesem »Sound« mitzuhalten. Mit bewusst zurückhaltenden Stücken wie Johannes Brahms’ (1833 bis 1897) »O wie sanft die Quelle« (gesungener Seelen-Balsam nur von den
Frauen) oder dem »zum Weinen schönen« (Petra Weiß) »Da unten im Tale« gelang eine deutliche Demonstration der absoluten Stärke des kleinen Chores: die authentische Interpretation von
musikalischen Kleinoden.
Zwei Pflichtstücke sorgten in der Bayernhalle für die richtige Stimmung zum traditionellen Sektausklang: Neben »An der schönen blauen Donau« exerzierten Chor, Orchester und das Publikum als
Projektchor den »Radetzyk-Marsch«, dessen letzte Zeile lautet: »Marschmusik ist wie `ne Rutschpartie ins Glück!«
Das Neujahrskonzert am 16. Januar 2011 präsentiert zur Abwechslung wieder ein reines Brahms-Chor-Programm und trägt den verheißungsvollen Titel »Sounds of love«.
Doris Huhn
Quelle: MainEcho
Cellistin Sophia Weiß war eine der Solistinnen aus den Reihen des Johannes-Brahms-Chores, die den musikalisch-poetischen Streifzug noch kurzweiliger gestalteten.
Johannes-Brahms-Chor Karlstein überzeugt mit »Vetter« in der Bayernhalle (13.1.2008)
Karlstein-Grosswelzheim. Um ein Haar hätte das zwölfte Neujahrskonzert des Johannes-Brahms-Chor Karlstein in der Bayernhalle abgesagt werden müssen. Dirigentin Petra Weiß-Lorenz sprach sogar von einem »Neujahrskonzert voller Katastrophen«. Das gemischte Ensemble, das ohnehin personell am Rande der »King’s Singers« laboriert, hatte bisher Glück. Beim traditionellen Neujahrskonzert war die Mannschaft immer gesund. Doch in diesem Jahr fiel einer nach dem anderen in den Fiebertaumel und am Ende blieben 16 Sängerinnen und Sänger, die einsatzbereit für das Programm unter dem Motto »Im Rausch der Gefühle«.
Ganz so dramatisch, wie die Chorleiterin gramvoll erzählte (»Hören Sie nur mit einem Ohr hin!«), war die Lage zum Glück nicht. Trotz
der personellen Hiobsbotschaften stand die verbliebene Mannschaft tapfer ihren Mann, respektive ihre Frau. Der exquisite, glasklare Chorklang, den die rund 400 Gäste in der voll besetzten Bayernhalle
seit Gründung des Ensembles im Jahr 1992 gewohnt sind, war nicht gefährdet. Angespornt von dem inspirierenden Dirigat gelang der Start in das Neue Jahr hervorragend. Streckenweise wurde der Chor am
Klavier begleitet von Petra Weiß-Lorenz oder ihrem Mann Jürgen Weiß sowie von Schlagzeuger und Enkel Robin Elias Weiß, der wie seine Mutter im Chor mitsang. »Im Rausch der Gefühle« stellte ein wahres
Wechselbad der Gefühle dar. Kontrastreicher lässt sich ein Programm fast nicht gestalten. Auf Hugo Distlers melan-cholischem »Ein Stündlein wohl vor Tag« aus dem Mörike-Chorliederbuch op. 19 folgten
zwei Beatles-Klassiker, die mit Pfeffer und Schwung in den Stimmen präsentiert wurden.
Durch ein tiefes Tal der Trauer gingen Publikum und Chor mit dem an die Vergänglichkeit erinnernden »Denk es, oh Seele« von Distler, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag hätte begehen können,
sich aber im Alter von 34 Jahren das Leben nahm, sowie dem tieftraurigen »The long and winding road«, ebenfalls von Lennon/ McCartney.
Im »Mond-Block« kostete der Chor in poetisch-romantischem Schwelgen Johannes Brahms’ »Verstohlen geht der Mond auf« aus, das smarte und
pfiffig vorgetragene Jazzstück »The shadow of your smile« sowie »Moon River« aus »Frühstück bei Tiffany’s« mit sehenswertem getanztem Dirigat. Kurz und knackig vorgetragen überzeugte darüber hinaus
das expressive Werk »Der schwarze Mond« des im Dezember verstorbenen Harald Genzmer. »Fürchterlich-schlimme Balladen« von Ernst Pepping und das »Angststück« des Programms, Hugo Distlers »Der
Feuerreiter«, folgten und verursachten durch ihre unheimliche Stimmung eine Grusel-Gänsehaut. Von Mord und Totschlag sowie einer Feuersbrunst erzählte der gemischte Chor dramatisch, eindringlich und
mit einer wahren Lust an dieser dunklen Seite. Der größte Kontrast folgte am Schluss des 100-minütigen Konzertes. Ein halbstündiges Medley aus Eduard Künnekes modern-spritziger Operette »Der Vetter
aus Dingsda« fegte die düstere Stimmung mit dem ersten Stück »Onkel und Tante, ja, das sind Verwandte« weg. Das Werk bedeutete im Jahr 1921 einen Wendepunkt in der Operettengeschichte und »Ich bin
nur ein armer Wandergesell« wurde zum Weltschlager.
Mit dem »Vetter« entdeckte der Karlsteiner Johannes-Brahms-Chor mit starken Solisten aus den eigenen Reihen ein ganz neues Genre, das ihm blendend lag. Und das Publikum startete entzückt mit dieser
schmissigen und Gute-Laune-Funken sprühenden Interpretation ins neue Jahr. Zwei Zugaben erklatschten sich die Besucher, bevor der Chor unisono »Prosit Neujahr« wünschte und die Sektkorken für den
Umtrunk knallten.
Doris Huhn
Quelle: MainEcho
Karlsteiner Johannes-Brahms-Chor singt in der Kälberauer Wallfahrtskirche
Alzenau-Kälberau. Eine ebenso besinnliche wie genussvolle Stunde bescherte der
Karlsteiner Johannes-Brahms-Chor am Samstagabend seinem Publikum in der Kälberauer Wallfahrtskirche. Knapp 20 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Petra Weiß-Lorenz und die Cellistin Sophia
Weiß spannten einen Bogen vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit.
Pater Ludger Zewe als Hausherr fasste sich in seiner Begrüßung kurz und erklärte sich willens, den meditativen Charakter der dargebotenen Werke für sich selbst sprechen zu lassen. In christlicher
Zeit hat die geistliche Musik immer wieder Inspirationen in der Passionszeit gefunden. Lieder vom Leiden Christi gewannen besonders in der Epoche der Romantik, Zeit des Johannes Brahms und
musikalische Kraftquelle der Karlsteiner Chorgruppe, an künstlerischer Ausdruckskraft. Brahms Motette »Warum ist das Licht gegeben«, meisterlich und routiniert vorgetragen, wurde denn auch auf
gleichsam natürliche Weise zum Angel-punkt des gesamten, 13 Darbietungen umfassenden Programms. Den Titel »Ach klage, wer nur klagen kann« hatte dem Konzert die gleichnamige erzählerische Sequenz aus
Telemanns Lukas-Passion gegeben. Das stark akzentuierte, eindringliche Werk diente mit seinem hohen Anspruch gleichsam als Widerlager der Zeitbrücke. Freilich gab es, etwa mit Palestrinas »O crux
ave« aus dem 16. Jahrhundert, noch hörbar ältere Beiträge mit in diesem Fall deutlichen gregorianischen Grundzügen.
Gleich zweimal zu Ehren kam die »Geistliche Chormusik« des Heinrich Schütz mit den Motetten »Die mit Tränen säen« und »Verleih uns
Frieden gnädiglich«. In die Nähe der Leistungsgrenze führte die Akteure eine Sequenz aus dem Elias-Oratorium von Mendelssohn-Bartholdy: »Wer bis an das Ende beharrt« bot bei aller Kürze
Herausforderungen an sämtliche Stimmen. Sehr wirkungsvoll interpretierte der Brahms-Chor in der besonderen, weichen Akustik des Kirchenraums neben Saint-Saëns bekanntem »Ave verum corpus« und der
Passion von Ermanno Wolf Ferrari zwei klassische Klageweisen, die bei aller Unterschiedlichkeit doch beide von stimmlicher Ausgewogenheit lebten. Michael Haydns »Tenebrae factae sunt« und
Archangelskis »Russischer Klagegesang« setzten die Halbzeit-Zäsur und den Schlusspunkt. Die Cello-Solistin hatte für ihre drei Intermezzi zwei melancholischen Bachsche Sarabanden und den
unkonventionellen »Dialogo« des Ungarn György Ligeti gewählt: Zwei Stimmen schienen da zu fragen und vorzutragen, zornige Akzente wurden gezupft.
Der vergleichsweise kleine Rahmen - nur rund 70 Zuhörer hatten den Weg in die Wallfahrtskirche gefunden - verstärkte die ohnehin große spirituelle Intensität des Konzerts. Wenn an der Binsenweisheit
etwas Wahres ist und Qualität sich tatsächlich durchsetzt, dürfte es beim nächsten Kälberauer Gastspiel des Brahms-Chores deutlich voller werden.
Oliver Klemt
Quelle: MainEcho
Neujahrskonzert 2007 in der Bayernhalle mit Hanauer Jazz-Big-Band
KARLSTEIN-GROßWELZHEIM. Einiges war anders beim 11. Neujahrskonzert des 15-jährigen Johannes-Brahms-Chors, das am späten Sonntagnachmittag in der Bayernhalle vor rund 450 Gästen stattfand. Mit der Hanauer Jazz-Big-Band war ein starker Partner gefunden worden, mit dem Duke Ellingtons »Sacred Concert« als swingender Höhepunkt aufgeführt werden konnte.
»Wir betreten damit völliges Neuland«, sagte Chorleiterin Petra Weiß-Lorenz. Gewidmet war das Ellington-Werk dem Großwelzheimer Posaunisten Martin Morawe, der vor einem Jahr überraschend gestorben ist. Zwei Männer, die dem Brahms-Chor besonders nahe stehen, pausierten in diesem Jahr. Das war zum einen der namensgebende Komponist, von dem sonst stets einige Stücke erklangen, der diesmal aber nur als Bild zu sehen war. Außerdem konnte sich Jürgen Weiß, Ehemann der Chorleiterin, diesmal entspannt zurücklehnen - er hatte die letzten zehn Jahre als Pianist mitgewirkt.
Eröffnet wurde das Neujahrskonzert in der voll besetzten Bayernhalle mit einem festlichen Renaissance-Doppelchor, Ludovico Casalis »Gaudens Gaudebo«. Die 22 Sängerinnen und Sänger des Chores wurden dabei von zwei Trompetern und zwei Posaunisten der Jazz-Big-Band begleitet und wetteiferten dabei um den glanzvollsten Einsatz.
Drei Stücke von Paul Peuerl, Heinz Lau und Hugo Distler lobten allesamt die Musik. Der Johannes-Brahms-Chor überzeugte mit glasklarem Klang, zum Mitschreiben deutlicher Aussprache und hörbarer Freude in der Stimme. Chorleiterin Petra Weiß-Lorenz motivierte und forderte ihre »Truppe« mit sprechender Gestik und vollem Körpereinsatz, so dass »O Musica« oder »Wer sich die Musik erkiest« zu einem Hörgenuss gerieten. In astreinem Sound empfahl sich danach die 16-köpfige Jazz-Big-Band unter der Leitung von Martin Schwarzmayr, der am Klavier mitwirkte. Sammy Nesticos »Quincy and the Count« wurde durch zahlreiche spielfreudige Soli aufgewertet.
Mit zwei Werken der leisen Töne von C. Hubert Parry entführte der Chor anschließend in die englischsprachige Romantik. Vor allem »Music, when soft voices die« gefiel mit schönem rundem Schluss.
Duke Ellington schuf insgesamt drei »Sacred Concerts«. Anlass war die Einweihung der »Grace Cathedral«. Es gibt dazu keine Partitur, erst im Augenblick der Aufführung fügen sich die Stücke zu einem Ganzen zusammen, erläuterte Petra Weiß-Lorenz. Die acht Teile, aus denen das »Sacred Concert« des Neujahrskonzertes bestand, sind eine Auswahl aus allen drei Konzerten, die von den Dänen John Hoybye und Peder Pedersen arrangiert wurden.
Das Experiment, das hier gewagt wurde, gelang reibungslos und kam beim Publikum so gut an, dass zwischen den Stücken begeistert applaudiert wurde, obwohl der Beifall eigentlich erst am Ende erklingen sollte. Die Zusammenarbeit zwischen dem Johannes-Brahms-Chor und der brillant aufspielenden Big Band bereitete auf und vor der Bühne Spaß. Der blitzblanke Sound mit satten Bläsersätzen und der mitreißende Chorklang vereinigten sich zu einem fulminanten Konzerterlebnis.
Als Gesangssolistinnen meisterten Inken Schwarz und Sophia Weiß ihre schwierigen Parts bravourös. Höhepunkte waren zweifellos die Stücke »Heaven« und »Freedom« sowie das himmelhochjauchzende Finale mit »Praise God and dance«, das als Mini-Zugabe wiederholt wurde. Danach war das Publikum zu einem Glas Sekt eingeladen, um auf das neue Jahr und das gelungene Konzert gebührend anzustoßen.
Doris Huhn
Quelle: MainEcho